Schlagwort-Archive: datensparsamkeit

schütze Deine Gesundheitsdaten, zahle bar!

Seit Ed­ward Snow­den wis­sen wir, was viele schon längst ge­ahnt ha­ben: wir wer­den ständig heim­lich überwacht. Wir alle. Ja, auch Du. Ja, auch wenn Du Dich eine unauffällige, fleis­si­ge, staats­tra­gende Bürgerin bist, die nie ein Ge­setz ge­bro­chen hat.

Niemand weiss, was mit diesen Daten geschieht, wer alles darauf Zugriff hat, auf welche Weise sie benutzt werden in der Zukunft… gegen uns selbst? Vielleicht gegen unsere Kinder, unsere Freunde, unsere Arbeitskollegen? morgen schon, oder erst in fünfzig Jahren? unter der heutigen Gesetzeslage, oder vielleicht den Gesetzen von morgen, die wir heute noch nicht kennen – was heute legales und völlig gewöhnliches, unproblematisches Verhalten ist, ist es morgen vielleicht nicht mehr?

Wie können wir uns, als gewöhnliche Bürger und Bürgerinnen, gegen diese umfassenden, anonymen und abstrakten Vorgänge schützen?

Warum Gesundheitsdaten wichtig sind

Wer nicht auf der sprichwörtlichen einsamen Insel leben will, wird nicht darum herum kommen, gewisse Informationen von sich preiszugeben: die Positionsdaten, die aufgezeichnet werden, wenn ein Mobiltelefon sich bei den Übermittlungsmasten an- und abmeldet… die Bilder, die von Überwachungskameras aufgezeichnet werden, wenn man an einer Bank, einem Laden vorbei spaziert, oder wenn man einkaufen geht. Die Daten, die ein Arzt via Internet mit Krankenkassen oder andern Ärzten austauscht. Die Liste der Suchworte auf dem Internet. und so weiter, und so fort.

Von all den vielen Daten und Informationen, die im Lauf eines gewöhnlichen Alltags aufgezeichnet werden, gehören Daten zum körperlichen Befinden zu den intimsten – und zu jenen mit der längsten Reichweite in die Zukunft.

Einige Informationen haben „nur“ Peinlichkeitswert; wie zum Beispiel die Tatsache, dass ein Mann zu frühzeitigem Ejakulieren neigt. Ist nichts Böses, nichts Verbotenes, will aber wohl trotzdem kaum jemand in der Öffentlichkeit bekannt und diskutiert wissen.

Andere Informationen können das Leben teifgreifend beeinflussen: wie wird wohl ein Arbeitgeber reagieren, wenn er zum Beispiel erfahren sollte, dass ein Bewerber für eine neue Stelle eine Mutter hat, die an einer schweren vererbbaren Krankheit litt und früh gestorben ist? – da wird es nur wenige geben, die der Versuchung widerstehen können, einen netten Absagebrief zu schreiben des Inhalts „eine andere Person erfüllt unsere Anforderungen besser, viel Glück bei der weiteren Stellensuche“, einfach um sicherzugehen, nicht jemanden anzustellen, der vielleicht bald krank wird und stirbt – und der Bewerber wird in seinem Leben nie erfahren, was genau den Ausschlag gegeben hat für die Absage. Aber die Stelle kriegt er nicht.

Utopie? – vielleicht. vielleicht nicht. Wer weiss das heute schon?
Gibt es Firmen und Institutionen, die das heute schon machen? vielleicht. vielleicht nicht. Wer weiss das heute schon?

Gibt es Firmen und Institutionen, die diese Sorte Information gern zur Verfügung hätten und dafür auch gutes Geld zahlen würden? – aber sicher!

Darum:

Date​nsparsamkeit – führe sie nicht in Versuchung!

Datenspa ​rsamkeit bedeutet in erster Linie: jene Daten, die nie festgehalten werden – auf Papier festgehalten, oder digital festgehalten – können auch nicht analysiert, verarbeitet, verkauft oder gestohlen werden.

Die grösste Mengen an Daten, die etwas über die Gesundheit einer Person aussagen, entstehen beim Einkaufen: die Lebensmittel, die man wählt und oft kauft: Frisches oder aus der Tiefkühltruhe? Viel Fleisch, viel Käse oder vegan? Fettes oder Fettreduziertes? Regelmässige Käufe von Alkohol? von Tabakwaren? Rezeptpflichtige Medikamente? – alle diese Informationen sind äusserst aussagekräftig – auch wenn ihre Aussage nicht immer notwendigerweise richtig interpretiert wird.

Ist die Frau, die jede Woche fünf Harassen Bier kauft, schwere Alkoholikerin, oder einfach zuständig für die Bar im Vereinslokal?

Wenn ein Mann im Supermarkt nur Pasta und Öl kauft – ernährt sich der tatsächlich so billig und einfach, oder kauft er das Gemüse und die Früchte lieber in besserer Qualität auf dem Wochenmarkt?

zahle bar, nicht mit Karte

Es lässt sich nicht vermeiden, dass beim Einkaufen ein detaillierter Einkaufszettel entsteht.

Es lässt sich aber vermeiden, dass der Einkauf Dir persönlich zugeordnet wird –  durch das Zahlen mit Bargeld statt Karte.

Wer regelmässig die täglichen Einkäufe mit Karte zahlt, hinterlässt nicht eine Datenspur, sondern eine regelrechte Datenautobahn, eine Unmenge von Daten – wer immer diese Daten in die Finger bekommt (durch Sammeln, Kaufen, Stehlen…), wird einen detaillierten und intimen Einblick in Dein Leben haben – und dieses  womöglich zu deinem Nachteil ausnutzen. Und das alles, ohne dass Du darüber Bescheid weisst: Du bekommst die Stelle nicht, für die Du dich beworben hast – keiner sagt Dir, warum. Deine Krankenkasse erhöht die Monatbeiträge auf eine Weise, die Dir trotz der üblichen Erhöhungen massiv scheint – keiner sagt Dir, warum. Du gehst in die Ferien und wirst an der Grenze festgehalten und gründlich durchsucht – keiner sagt Dir, warum.

Darum: schütze Dich selbst, schütze Deine Familie und Freunde – zahle bar, wann immer Du kannst.