Pendlerabzug abschaffen – zu Fuss arbeiten gehn

Eine Position von Nationalratskandidatin Barbara Seiler

Pendeln belastet

Pendeln gehört für viele zum Alltag Und das nicht darum, weil alle es so grossartig finden, sich täglich in überfüllte S- oder Autobahnen zu quetschen und darauf zu warten, bis das Fahrzeug endlich freie Bahn hat – sondern weil es für die meisten Leute anders gar nicht möglich ist.

Dort, wo es Wohnungen hat, hat es keine Arbeit. zumindest keine bezahlte Arbeit.
Dort, wo es Arbeit hat, hat es keine Wohnungen. zumindest keine bezahlbaren Wohnungen.

Also schlucken Herr Schweizer und Frau Schweizerin die Kröte, suchen für sich eine Lösung, die die Nachteile der unterschiedlichen Lebensformen einigermassen in der Waage hält – und leiden am Pendeln. Wer länger als 50 min oder 80 km pendelt, wird unglücklich und krank.

Und natürlich braucht Pendeln Energie, macht Lärm, frisst Zeit, kostet Geld, entfernt Familien voneinander, sorgt für soziale Segregation… es ist nicht sinnvoll, eine Gewohnheit mit so vielen Nachteilen durch Steuerabzüge zu fördern.

Leute pendeln trotzdem

Abgesehen von den grundlegenden Notwendigkeiten – alle brauchen eine Wohnung, alle brauchen ein Einkommen – gibt es natürlich positive Gründe, warum Menschen sich dazu entscheiden, zu pendeln. Wer in der Stadt arbeitet, mit ihrer Enge und Belastung von Lärm, freut sich darauf, am Abend ins Grüne zu fahren. Eltern mit kleinen Kindern haben Bedenken, ihr Kind in die multikulti-Stadtschule zu schicken, und vermuten, auf dem Dorf bessere Chancen für ihr Kind zu finden, bessere Schulen, weniger Gewalt, als in der Stadt.

Das sind legitime Anliegen, wichtige Anliegen – aber die können auch durch andere Massnahmen gefördert werden, als durch Pendlerabzüge.


Wie es sein könnte

Es könnte sein, dass es wieder normal wird, zu Fuss ins Geschäft zu gehen – oder mit dem Velo. Wer heute eine halbe Stunde mit dem Auto pendelt und während der Fahrt den Tag verarbeitet und den Kopf leert, erreicht dasselbe Ziel gewiss auch durch einen halbstündigen Spaziergang auf dem Heimweg.

Es könnte sein, dass es wieder normal wird, dass Eltern und Kinder sich am Mittag zuhause um den Mittagstisch treffen – weil ja alle nur kurze Wege von der Arbeit, von der Schule, zu gehen haben.

Es könnte sein, dass Kinder nach der Schule kurz bei Mama in die Werkstatt oder bei Papa im Büro in eine ruhige Ecke sitzen, dort die Hausaufgaben machen, und dann nach Feierabend alle zusammen nach Hause gehen.

Es könnte sein, dass Kinder bedenkenlos auf den meisten Strassen spielen können – weil es so wenig motorisierten Verkehr hat.

Schwerpunkte, Massnahmen. einige Ideen.

Um von der heutigen pendlerlastigen Schweiz schrittweise zu einer Schweiz zu kommen, wo die meisten Wege ohne motorisierte Vehikel bewältigt werden, sondern zu Fuss, mit dem Fahrrad, mit dem Trottinett… ist die Reduzierung und Abschaffung des Pendlerabzugs eine sinnvolle Massnahme.

Aber es ist natürlich nicht die einzige Massnahme, sondern es benötigt Bündel von Massnahmen und Adjustierungen, die in die richtige Richtung gehen. hier einige Ideen zum Weiterdenken:

– mehr Wohnraum in den Städten; politische Kontrolle und detaillierte Regulation der Landnutzung und der Bebauung besonders in den Kernstädten im Sinne des Gemeinwohls.

– Steuererleichterungen bzw andere Vorteile für Firmen, die Mitarbeiter anstellen, die im gleichen Postleitzahlgebiet wohnen, in dem sich auch der Arbeitsort befindet. Kurze Wege sollen belohnt werden!

– Anbau von Nahrungsmitteln auch in der Stadt verkürzt Transportwege und vermindert Transportbedarf

– Zonenplanungen, die gemischte Gebiete mit Wohnen UND Arbeiten ermutigen

– neue direktdemokratische Rechte nicht nur auf der Ebene der Gemeinde, sondern auch in kleineren Einheiten – im Quartier, in der Nachbarschaft, sodass Lebensräume von den Betroffenen möglichst direkt gestaltet werden. am Gemeinwohl orientiert, nicht am privaten Profit orientiert.

Zukunftsmusik

Eine solche Schweiz ist natürlich Zukunftsmusik – doch jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt, und nur wenn man ein klares Bild davon hat, wohin es gehen soll, kann man entscheiden, welche Massnahmen in die richtige Richtung gehen.

Nicht zuletzt wäre ein Alltag, der grösstenteils unmotorisiert funktioniert, eine grosse Erleichterung für alle jene, die gute Gründe haben, motorisiert unterwegs zu sein: sei das die freie Fahrt für Taxis, Ambulanzen, Polizei, Warentransporte – sei es, dass man bequem im Zug Platz findet – oder auch, dass es wieder ein grosses, weil seltenes, Vergnügen sein kann, mit dem Auto in die Ferien zu fahren.